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Spuren, die bleiben ... Der Abschied

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In einem unserer Gespräche an einem Besuchstag wollte meine Mutti darüber reden, wie sich sich den Abschied der Familie von ihr vorstellte. Mein Vater hätte zu gern dieses Gespräch vermieden, aber schon als wir ins Zimmer traten und sie lossprudelte, merkte ich, dass sie sich den ganzen Tag mit diesen Gedanken beschäftigt hatte und nun endlich, da wir da waren, froh war, sie uns mitteilen zu können.

So sagte sie uns, dass sie im Falle ihres Todes noch einmal in der Halle der Friedhofskapelle offen aufgebahrt werden möchte und nur die engsten Familienmitglieder kommen mögen, um sich von ihr ein letztes Mal zu verabschieden.

Da ich völlig unerfahren war, aber meinem Vater bewußt zur Seiten stehen wollte (und er wohl auch meine praktische Hilfe brauchte, zumal meine ältere Schwester zur gleichen Zeit im Krankenhaus lag), gingen wir also die ganzen Formalitäten und organisatorischen Dinge an.

Ich will hier die Einzelheiten nicht aufzählen, die alle dazugehören, aber es war eine Menge zu bewältigen und ich frage mich heute, 5 Wochen danach, wie wir das alles fertiggebracht haben ...

Unsere Mutti hatte sich gewünscht, wir sollen uns zu diesem familiären Abschiednehmen festlich kleiden, schön machen, so, wie sie uns immer gern gesehen hatte. Natürlich erfüllten wir ihr diesen Wunsch, auch wenn er entgegen aller konventionellen Vorstellungen war. Es war für sie, nicht für unwissende Leute ...

Als wir um den offenen Sarg standen, uns bei den Händen hielten, im Hintergrund eine CD lief, die ich einmal zu Weihnachten aufgenommen hatte, empfand ich alles um mich herum als unwirklich und konnte in genau diesesem Moment nicht glauben, was alles in den Tagen vorher geschehen war. Immer wieder bat ich meine Mutter, sie möge doch die Augen öffnen, sie schlief doch nur.
Und plötzlich nahm dieses „nie wieder“ unvorstellbare Gedanken an: nie wieder wird sie zur Tür hereintreten, nie wieder eine Umarmung, nie wieder ein Lächeln, ein Gespräch, ein Lachen, ein Winken beim Wegfahren ... Gab es das wirklich, dieses „Nie wieder“? Noch war und ist es unvorstellbar ...

Der Augenblick der allerletzten Abschiednahme war gekommen. Jeder, der das Bedürfnis hatte, konnte sich ganz individuell von ihr verabschieden.

Auch ich tat das – und war so schockiert, obwohl ich hätte vorbereitet sein müssen.
Ich streichelte das Gesicht meiner Mutti ein allerletztes Mal und gab ihr einen Kuss – aber niemals werde ich die Berührung dieser eisigen Haut vergessen, und niemals ihre starre Reglosigkeit.

Beide Erlebnisse – das, als ich ihre Hand bei ihrem letzten Atemzug hielt und das der Berührung am offenen Sarg haben sich so tief in mein Gedächtnis und mein Herz eingebrannt, dass sie nie wieder von dort zu löschen sein werden.

In der Urnenbeisetzung fand sich bestätigt, wie beliebt meine Mutti gewesen ist und auch die Trauerrede, die der Freund meines Vaters am Urnengrab hielt und die letzten Worte, die ich für die Familie sprach, gaben diesem unendlich traurigen Erlebnis einen würdigen Abschluss ...

„Der Weg“, „Das Sterben“ und „Der Abschied“ sind Spuren, die weder im Wind verwehen noch vom Wasser weggespült werden ... es sind Spuren, die bleiben ...

in memoriam
Abschiedsworte der Familie

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