Reisebericht Rhodos
Auf Rhodos bin ich Kojak begegnet
Es ist Sommer ...
Ist es wirklich Sommer?
Etwas fehlt mir ...
Das Meer ist es, wie ich herausfinde.
Mein Hiddenseebesuch liegt schon wieder so lange zurück – ich muss ans Meer ... ans Mittelmeer ... im Sommer.
Nach Malta und Zypern entscheide ich mich spontan, mit einer Freundin nach Griechenland zu reisen, auf die Insel Rhodos.
Wie freue ich mich schon beim Abflug 2 Uhr nachts in den herrlichen Sonnenaufgang auf meine geliebten Palmen, die Wärme, das Mittelmeerflair ...
Gegen 7 Uhr erreichen wir unser Hotel. Weil es erst ab 8 Uhr Frühstück gibt und auch das Zimmer erst später für uns bereit ist, machen wir einen gemütlichen Rundgang durch die Hotelanlage, die wir in dieser Ruhe am Morgen nur heute erleben (erstaunlicherweise ist auch noch keine einzige Liege reserviert um diese Zeit – fast ein Phänomen und nicht zu erklären).
An der Poolanlage herrscht noch Verschlafenheit und alle Strandliegen stehen da, als würden sie nur auf uns beide warten. Die Sonnenschirme sind noch geschlossen.
Ich merke, wie ich mich nicht mehr zurückhalten und weiter die wunderschöne Anlage bestaunen kann – ich MUSS an den Strand, JETZT.
Und dann stehe ich da, schaue auf das weite Meer, das friedlich und silbrig glänzend vor mir liegt – und fühle in diesem Moment "jetzt ist Sommer, hier und jetzt" ... und es geht mir richtig gut bei diesen Gedanken, die ich mir die ganze Woche bewahren möchte und durch nichts verdrängen lassen will, was sich da vielleicht in meinem Kopf oder Herzen meldet.
Am späten Vormittag, als dann alle Formalitäten erledigt sind, unser Appetit gestillt und unser Zimmer bezogen, beschließen wir, uns an den Strand zu legen, an dem es inzwischen nicht mehr ganz so leicht ist, zwei Liegen zu finden. Wir lassen die kleinen Reisestrapazen von uns abfallen und während ich mit geschlossenen Augen daliege, dem Rauschen der Wellen und dem Stimmengewirr der anderen Gäste lausche, merke ich, dass ich immer mehr "ankomme" ...
Später am Nachmittag begeben wir uns auf die erste kleine Erkundungstour in Richtung Faliraki, denn unser Hotel liegt ganz weit außerhalb der Stadt. Aber heute wollen wir es nicht bis nach Faliraki schaffen, uns reicht ein kleiner Fußmarsch bis zu einem kleinen Einkaufszentrum, in dem man herrlich sitzen und Kaffee trinken kann. Es ist der erste Frappé, den wir uns hier gönnen – bevor wir wissen, dass das unser Lieblingsgetränk an allen Tagen sein wird. :-)
Abends wollen wir uns noch die Unterhaltungsshow auf der Bühne im Garten des Hotels ansehen, aber ich bin nun doch zu müde, um länger als bis 22 Uhr auszuhalten und so beschließen wir zu schlafen, um den nächsten Tag ausgeruht genießen zu können.
Wie bei jeder Reise über einen Veranstalter, findet am nächsten Tag dessen Vorstellung im Hotel statt einschließlich aller Hinweise zu möglichen Angeboten.
Wir beschließen, uns wenigstens einen der tollen Ausflügen mit Führung zu gönnen und alles andere allein zu unternehmen. Und wir wollen unsere Woche so ausfüllen, dass wir immer einen Ruhetag machen und einen Tag etwas unternehmen. An diesem Tag wollen wir Faliraki kennen lernen, am übernächsten eine Bustour quer über die Insel machen und am vorletzten Tag allein nach Rhodos-Stadt fahren, um natürlich auch diese geschichtsträchtige Stadt gesehen zu haben.
Natürlich ist ein Ausflug nach Faliraki gleichbedeutend mit einer Shopping-Tour! Anders war es auch gar nicht zu erwarten, nachdem wir aus dem Bus aussteigen – und anders war es auch nicht geplant. :-)
Was mich erstaunt – und ein wenig überrascht – ist die Tatsache, dass ich den Eindruck habe, wieder in Zypern zu sein ... wenn auf den vielen blau-weißen Souveniers nicht "Rhodos" stehen würde. Aber was soll's, es ist genau wie dort überall herrlich bunt, ein Überangebot an allen möglichen Geschenken – und letztlich überall immer wieder das Gleiche. Das macht nichts. Wir schlendern, kaufen, schwitzen, werden müde, trinken Frappé und essen Crepés, freuen uns über die erhandelten Geschenke – es ist ein schöner Tag.
Auch der nächste, den wir komplett am Strand verbringen, ist nicht weniger schön. Ich genieße dieses Klima. Wir schützen uns ganz bewusst vor der Sonne, die durch den ständigen Wind vom Meer auf der Haut nicht zu spüren ist, denn links und rechts auf den Liegen sieht man, was uns passiert, wenn wir darauf nicht achten – und wir merken es, als wir beim ersten Mal nicht daran denken, gleich unsere Badeschuhe anzuziehen und ans Wasser wollen. Der Sand ist wirklich höllisch heiß und in diesem Moment glaube ich die vor dem Abflug gehörte Meldung, dass sich ein Urlauber auf Mallorca die Fußsohlen verbrannt hat. Zum Glück ist es nicht weit bis ins Wasser und wir kühlen unsere Füße gleich – ein zweites Mal vergessen wir die Schuhe nicht!
Die Seele baumeln lassen, lesen, reden, den Leuten zuschauen, einem überaus mitteilungsbedürftigen Italiener zuhören (ohne ihn zu verstehen), der sich mit anderen Gästen unterhält, schwimmen, Steine sammeln (was zu einem Hobby von uns wird) – so habe ich mir den Urlaub vorgestellt. Kann es noch besser werden? Es kann ...
Am nächsten Morgen begeben wir uns also auf die Tour "Kreuz und quer durch Rhodos", die uns zu verschiedenen Highlights der Insel bringen soll.
Am Bus erwartet uns ... ein kleiner Kojak ... Andreas, der wunderbar deutsch sprechende griechische Reiseführer, dessen Vater n i c h t Telly Savalas ist, wie er uns versichert – und wie ihm seine Eltern versichern. :-)
Mein erster Eindruck von ihm ist nicht der beste und ich weiß bis heute nicht genau, warum ich ihn im ersten Moment für eingebildet hielt und mir dachte, dass diese Fahrt sicher nicht zu den tollsten Erlebnissen in diesem Urlaub gehören wird aber ich sie trotzdem mitmache, weil ich halt etwas von der Insel sehen und erzählen können will. Ich bin nicht so der Kulturfreak, der genau wissen will, wann wo welche alten Griechen waren und die wenigste Lust habe ich auf die Ausgrabungsstätte, die wir auf dieser Tour ansteuern würden, aber ...
Was soll ich sagen – Andreas, unser Kojak, hat es geschafft, mich eines Besseren zu belehren und mich zu einer der interessiertesten und neugierigsten Urlauberinnen unserer Gruppe zu machen!
Dieser Mann war einfach umwerfend! Sein Witz, sein Charme, aber auch seine Ernsthaftigkeit, sein unglaubliches Wissen über Land, Leute, Kultur, Politik, Geschichte, Tradition – ehrlich, ich hing an seinen Lippen und lauschte seinen Erzählungen, wie ich es selbst nicht für möglich gehalten hätte.
Im Schmetterlings-
tal, unserer ersten Station, herrscht eine angenehme Kühle und eine Art Vegetation, wie man sie auf der Insel nicht vermutet.
Es ist erstaunlich, tausende Schmetterlinge zu sehen und die Zahl beeindruckt, auch wenn die Tiere nicht fliegen, sondern auf allen Blättern der Bäume sitzen und sich erholen müssen, wie wir von Andreas erfahren.
Leider gibt es immer wieder Urlauber, die das wenig interessiert und die in die Hände klatschen oder auf andere Weise die Falter aufscheuchen wollen, nur, um ein schönes Foto zu machen. Natürlich sehen sie fliegend farbenfreudiger aus, aber wer will, kann sich eine Postkarte davon kaufen. Die Schmetterlinge brauchen diese Ruhephase wirklich, weil sie sonst den Weg aus dem Tal nicht überleben und im nächsten Jahr dann nicht in ähnlicher Anzahl, nur neu "geboren", zurückkehren können.
Unser nächstes Ziel ist die Ausgrabungs-
stätte Kamiros. Andreas versteht es wirklich auf eine fesselnde Art, uns in seine Gedanken und Erzählungen einzubeziehen! Selbst die Kinder beteiligen sich ganz interessiert – von meiner Freundin und mir ganz zu schweigen. :-)
Die Fahrt führt uns weiter auf die andere Seite der Insel, wo die Ägäis an die Insel grenzt – auf ganz andere Weise, als das Mittelmeer, wilder.
In einem Ort machen wir um die Mittagszeit Pause und trennen uns auf dem Marktplatz. Naja, was man dort Marktplatz nennt – es ist ein sehr kleiner Ort. :-) Die Gruppe zerstreut sich zum Mittagessen und meine Freundin und ich gehen im Dorf auf die Suche nach diesem auf allen Postkarten Griechenlands wiederkehrenden Motiv vom weißen Haus mit blauen Fensterläden, Türen, Zaun ... wir finden eins, aber es ist das einzige, was wir auf der ganzen Insel sehen ...
Später halten wir in einem kleinen Dorf, probieren griechischen Honig und trinken Wein dazu, besichtigen die unglaublich große Kirche des kleinen Ortes und sehen alten griechischen Männern zu, die auf einer Veranda sitzen, Backgammon spielen und dabei ein beeindruckend friedliches Bild abgeben, das uns bewegt, stehen zu bleiben und sie zu fragen, ob wir ein Foto machen dürfen von dieser Natürlichkeit, die sie trotz des Tourismusrummels um sich herum ausstrahlen.
Wir dürfen und sie belächeln uns – wahrscheinlich, weil sie sich nicht vorstellen können, warum uns das beeindruckt. Sie wissen ja zum Glück auch nichts von unserer Alltagshektik und von unserem Wunsch, es ihnen gleichtun zu können. Nun, wir tun es ja – zumindest in diesen sieben Tagen auf Rhodos.
Die Fahrt neigt sich dem Ende und wir sind recht traurig darüber. Gern hätten wir noch viel mehr von Andreas erfahren und seinen Worten gelauscht, mit denen er uns wirklich sehr viel über die Menschen und die Insel vermittelt hat. Als wir uns verabschieden, sage ich Andreas, wie dankbar ich ihm bin, dass er diesen Tag zu einem solchen Erlebnis gemacht hat – und ich schäme mich gleichzeitig, dass ich ihm auf den ersten Blick nicht mehr vertraut habe. Für mich steht ganz fest, dass nur durch ihn und die Art, wie er sein Wissen vermittel hat, gerade für mich Geschichtsmuffel diese Fahrt zu einem der Höhepunkte dieses Urlaubs wurde.
Am nächsten Tag ist wieder Ruhetag und wir nutzen ihn auch, um ein wenig am Strand entlang die Insel zu erkunden. Das Mittelmeer ist so beeindruckend in seiner Farbe und wir finden die Möglichkeit, herrliche Fotos zu machen, die uns noch zu Hause in einem selbstgemachten Kalender oder einer Fotowand an diese Reise erinnern werden. Natürlich sammeln wir auch Steine, deren Farben und Formen so vielfältig sind – wir werden Probleme mit dem Gewicht unseres Gepäcks bekommen, wenn wir so weiter sammeln. :-) Zum Glück habe ich mich beim Reiseveranstalter erkundigt, ob man diese Steine mitnehmen darf ...
Der vorletzte Tag führt uns nach Rhodos-Stadt. Zwar fahren wir dieses Mal mit einem Linienbus, aber auf der Insel ist es im Prinzip egal, mit welchem Bus man fährt. Man kann sich irgendwo an die Straße stellen und die Hand heben, wenn einer kommt, der in die gewünschte Richtung fährt. Wenn man Glück hat, hält er an und man kann mitfahren. Den Fahrschein löst man bei einem Schaffner, wie wir ihn von früher kennen, der eine Art Bauchladen vor sich trägt, aus dem er die Tickets zieht.
Wir halten in der Neustadt von Rhodos und suchen uns den Weg am Hafen vorbei, wo der legendäre Koloss stand, zum Tor in die Altstadt.
Zuerst sind wir erstaunt über die Art, wie die Straßen der Altstadt gepflastert sind – und wir sind froh, feste Schuhe zu tragen. D a s stand in keinem Reiseführer, dass die Pflastersteine mit den Kanten nach oben verlegt wurden. Es sieht phantastisch aus, weil man herrliche Muster damit gelegt hat – es läuft sich halt nur recht schwer darauf.
In der Altstadt wimmelt es wie in einem Ameisenhaufen von Urlaubern. Der eine Teil der Stadt ist ein einziger Basar, auf dem ein Geschäft sich an das andere drängt. Die Gänge dazwischen sind überdacht, zugehangen oder mit Bäumen zu gewachsen. Ab und zu gibt es eine kleine offene Gaststätte oder ein Café und überall Menschen über Menschen. Deshalb beschließen wir, doch erst den ruhigeren Stadtteil zu besichtigen, wegen dem wir eigentlich hier sind. Meine Freundin zweifelt ein wenig daran, dass das wirklich alles noch so aus der Zeit der Kreuzritter erhalten sein soll, aber als wir die Kreuzritterstraße entlang gehen, uns den Großmeisterpalast ansehen, an der Moschee vorbei schlendern und die anderen Gebäude sehen, sind wir so oder so beeindruckt – egal, ob nun Jahrhunderte alt oder vielleicht doch nicht ganz.
In diesem Stadtteil ist es wirklich schön ruhig und ich finde es immer wieder überraschend, wie da und dort eine kleine verschlafene Gasse abzweigt – und dass ich hinter einem alten Fensterladen einen Mann sehe, der dort lebt.
Durch ein Tor betreten wir den Hof eines Hauses – und sofort fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Aller Trubel bleibt vor dem Hoftor zurück, das Innere gleicht einer Oase und man wartet direkt darauf, dass jemand aus alter Zeit aus dem Haus tritt und einen begrüßt.
Natürlich zieht uns das Basar-Getümmel auch in seinen Bann und auch wir erliegen der Versuchung, noch einmal Andenken und kleine Geschenke zu kaufen – wer weiß, vielleicht reichen ja die gesammelten Steine und die Fotos nicht =) oder wir können uns nicht davon trennen.
Am Abreisetag gönnen wir uns noch einen Besuch im Wellnesscenter des Hotels, den uns die Hotelleitung spendiert hat. Ja, es kann auch Vorteile haben, wenn die Klimaanlage in einer Nacht mal ins Zimmer tropft. :-)
Da wir erst am Abend fliegen, bleiben wir den ganzen Tag am Meer, und obwohl wir bis 10 Uhr das Zimmer räumen müßten, dürfen wir es nach Absprache bis 18 Uhr behalten. Eine große Erleichterung bringt uns auch der Service des Veranstalters, unser Gepäck im Hotel abzugeben (und erst auf dem Heimatflughafen wieder in Empfang zu nehmen) und auch gleich die Bordkarten für das Flugzeug dort zu erhalten. So müssen wir uns den ganzen Tag um nichts kümmern, haben noch einmal Zeit zum Relaxen und auch die Kontrolle auf dem Flughafen (der an diesem Abend übrigens total voll ist) bleibt uns erspart.
Vor unserer Abfahrt vom Hotel spazieren wir noch zu der kleine Kapelle, die gegenüber auf der anderen Straßenseite steht, und jede von uns lässt wohl in Gedanken noch einmal diese Urlaubstage mit all den schönen Erlebnissen Revue passieren ...