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Reisebericht Malta (mit Fotos)

Malta ist d o c h eine Reise wert

Nach 5 Jahren bekam ich durch glückliche Umstände die Gelegenheit, mich an einer Urlaubsreise zu beteiligen. Das Ziel sollte Malta sein – eine Insel, deren Namen ich zwar kannte, von der ich aber nicht wirklich etwas wusste.

Von Schwärmereien und Berichten von Bekannten hatte ich erfahren, dass es ein wahres Tauchparadies im Mittelmeer sei und mehr interessierte mich eigentlich nicht, denn ich wollte in diesem Urlaub endlich wieder tauchen gehen. Wenn auch mit einigen Ängsten begleitet, wie das so nach 5 Jahren werden würde, immer aber die herrlichen Erfahrungen von Israel im Kopf (der Besucher meiner HP wird den Bericht darüber sicher nicht übersehen haben :-)), machte ich mich also auf die Reise und war voller Vorfreude und großer Erwartungen.

Der Hinflug war sehr kurzweilig, denn von Leipzig aus waren es nur knapp 2 Stunden und 30 Minuten Flugdauer und die Sicht an diesem Vormittag war so herrlich, dass jeder Blick aus dem Fenster in 11 km Höhe ein kleines Erlebnis für sich war. Die Alpen, die italienische Küste des Mittelmeeres, der Vesuv, Sizilien und dann, über dem Mittelmeer, war es kaum möglich, die Grenze zwischen Himmel und Meer zu ziehen, so gingen die Farben ineinander über.
Die Landebahn, die dem Piloten auf Malta zugewiesen wurde, erlaubte ihm einen Rundflug über die ganze Insel, nachdem wir vorher Gozo und Comino überquert hatten. So konnten wir schon vom Flugzeug aus die Hauptstadt Valetta sehen (in deren Hafen gerade ein großes Kriegsschiff ziemlich gekonnt herummanövriert wurde) und die Buchten mit den vielen privaten Booten der Malteser – in einer davon sollte auch unser Hotel stehen ...

Jeder, der den Sommer diesen Jahres in Deutschland verbracht hat, wird nachempfinden können, wie schön es war, aus dem Flugzeug zu steigen und endlich Sonne und Wärme, also SOMMER, um sich zu haben – und das nur wenige Flugstunden von zu Hause entfernt.

Unser Taxi zum Hotel wartete schon, unser Ziel war das Hotel „Seabank“ in der Mellieha-Bucht.

Foto: Mellieha-Bucht
Mellieha-Bucht

Erwartungsvoll stieg ich also ein, bereit, all das Neue in mich „aufzusaugen“ und im Kopf und Herzen zu speichern.
Aber ehrlich gesagt – da war erst einmal eine ganz große Enttäuschung ...

Das einzige Grün, das ich zu Gesicht bekam, waren wenige kleine Sträucher und Kakteen, die mich insofern beeindruckten, da sie wie Hecken wuchsen.

Foto: Kaktushecke
Kaktushecke

Ansonsten sah ich in der Landschaft Steine und Geröll, Steine und Geröll ... und wieder Steine und ...
In einem Kreisverkehr, von denen es auf Malta viele gibt und die einem zu Beginn so unheimlich schwierig zu befahren erscheinen, weil man den Linksverkehr nicht gewöhnt ist (tatsächlich hatte ich weder im Reisekatalog noch im Malta-Tauchführer einen Hinweis auf Linksverkehr gelesen), sah ich dann das erste Mal ein paar blühende Oleanderbüsche und ein paar Palmen – die wenigen Bäume, die ich auf der Insel zu sehen bekam.

Foto: landschaftstypisch
landschaftstypisch

Interessant war die Bauweise der Häuser – ich glaube, es gibt dort nicht eine einzige Wohnung, die keinen Balkon hat – die oft treppenförmig angeordnet waren, um die Fläche der Insel optimal zu nutzen. Es gab viele Lücken zwischen alten und neuen Häusern, in denen das Unkraut wucherte, Steine und Geröll :-( 'rumlagen, sich manchmal aber auch leider Müll türmte, was in mir immer wieder Unverständnis hervorrief.

Endlich bekamen wir auf unserer Fahrt das Meer zu sehen – und es war tatsächlich so herrlich blau, wie man es vorher den Postkarten und Bildern von Reisekatalogen kaum glauben mochte.
Nach 45 Minuten Autofahrt (die Malteser fahren übrigens ziemlich wild und als ich unangeschnallte Kinder in offenen Cabrios sah, war ich doch sehr erleichtert, dass es in Deutschland eine Gurtpflicht gibt), erreichten wir unser Hotel.

Naja ... das Hotel ging ja noch so, aber sollte das vor dem Hotel einer der schönsten Sandstrände Maltas sein? Ich hatte mir doch Meereswellen vorgestellt, Spaziergänge am Strand in der untergehenden Sonne – allein mit dem Rauschen der Wellen und einem lauen Wind um mich herum ... he, aufwachen!
Das hier war die Realität – eine sehr befahrene Uferstraße, eine kleine Bucht, in der es keine Wellen gab und ein kurzer Sandstrand, der voller Liegen und Schirme und Menschen war (und abends zwar leer, aber ziemlich schmutzig). Aber das Wasser – ja das Wasser war klar ... und blau ... und warm ...

Was soll ich sagen? Am zweiten Tag war alles nicht mehr schlimm – nicht das elende Grün, der viele Staub und die Steine ringsherum in der Landschaft, nicht, dass der hoteleigene „Strand“ betoniert war und man über eine Leiter ins Meer stieg (he, dafür gab es eine tolle Poollandschaft), nicht, dass man die Speisen am Büffet nicht definieren konnte, nicht, dass die Luftfeuchtigkeit so hoch war (die Autos waren nachts sogar beschlagen), dass jede Mühe, sich eine ordentliche Frisur zu verpassen, nach einem Abendspaziergang (auf der Uferstraße :-)) zunichte gemacht wurde. Ich war im Urlaub, ich hatte Sommer mit wohltuender Wärme um mich herum, ich hatte Zeit für mich – und wir hatten eine deutsche Tauchschule ausfindig gemacht!

Die Tauchschule von Anette und Lothar war wirklich klasse und ich kann sie nur jedem Taucher empfehlen, der sich einmal auf den Weg nach Malta machen sollte.
Der Service war super und hat immer hundertprozentig geklappt – wenn auch der Jeep, der uns vom Hotel abholte, aus den sechziger Jahren stammte und auf wundersame Weise noch immer durch den maltesichen TÜV kam =).

Alle 4 Tauchlehrer sprachen deutsch – zwei kamen direkt aus Deutschland, einer aus Belgien, einer aus Österreich. Es war eine super tolle Atmosphäre dort und ich hatte von Anfang an keine Bedenken, dass mit meinem Tauchen etwas nicht klappen könnte.
Die Tauchschule bot Fahrten mit dem Auto zu verschiedenen Tauchplätzen an, aber auch mit dem Boot konnte man Tagestouren in Buchten von Comino machen und dann dort tauchen.
Mein Begleiter und ich verabredeten also unseren ersten Tauchgang, zu dem es mit dem Auto nach Poppey Village ging. Lustiger Name, aber wirklich authentisch, denn wir befanden uns unterhalb der Kulisse, in der der dazugehörige Film über Poppey gedreht wurde, in einer kleinen Bucht.

Ich war ziemlich nervös, nachdem Florian, der Tauchlehrer, mir gesagt hatte, dass ich diese und jene Übung noch einmal machen müsse, weil ich ja seit 5 Jahren nicht getaucht war. Natürlich fand ich das durchaus korrekt, auch wenn mir bei dem Gedanken ans Maske-Ausblasen ganz mulmig wurde. Zwar konnte ich das im Roten Meer perfekt, aber in der Ausbildung hatte ich mich ziemlich damit gequält – und in dem Augenblick dort fühlte ich mich wahrhaftig wieder wie damals als absolute Anfängerin. Und so kam es, wie es kommen musste, weil mein Kopf nicht „mitspielte“ – ich bekam Angst vor der Übung und konnte nicht tauchen! Das war schlimm für mich, denn sofort setzte sich das alte Rad in Bewegung und in mir arbeiteten die Gedanken von Versagen und Blamage und „nie wieder werde ich das können“ – da war ich schon sehr traurig. Aber Anette machte mir Mut, sagte, dass es nach 5 Jahren kein Wunder sei, dass auch die Tagesform wichtig sei usw. Und was sollte es auch, nun Trübsal zu blasen und in Selbstmitleid zu zerfließen – ich musste es wieder versuchen, das war die einzige Möglichkeit.
Deshalb nahmen wir auch am nächsten Tag an der Bootstour teil, die schon allein für sich ein Erlebnis war.

Foto: Sammy's Boot
Sammy's Boot

Mit Sammy, dem maltesischen Kapitän, der nur ein wenig englisch sprach, aber das sehr witzig, und seinem Boot hinaus aufs Mittelmeer, vorbei an der Mellieha-Bucht, hin nach Comino, um dort in einer herrlichen kleinen Bucht mit unvorstellbar klarem, warmem Wasser in einer Farbe, die sich nicht beschreiben läßt, zu ankern.

Foto: Bucht vor Comino
Bucht vor Comino

Hier m u s s t e es doch mit dem Tauchen klappen – und es klappte auch. Später machten wir uns einen Spass daraus und bezeichneten diesen Tauchgang als „Kuscheltauchgang“ J, denn Jan, der Tauchlehrer, hat sich soo viel Mühe mit mir gegeben, um mir alle Versagensängste zu nehmen, dass sogar das Ausblasen der Maske wunderbar klappte und ich danach entspannt auf dem Boden des Mittelmeeres im weißen Sand knien, oder vorbei an Seegras und Felsen schwimmen konnte, um mir in aller Ruhe die Unterwasserwelt anzuschauen. Um der Wahrheit die Ehre zu geben – es war kein Vergleich zum Tauchen im Roten Meer, weil ganz einfach die Vielfalt der Fische und Farben fehlte. Aber trotzdem war es wunderschön – man konnte weit sehen, sah doch ab und zu mal ein paar einzelne Fische ... und das Gefühl des schwerelosen Treibens beim Tauchen ist ja allein schon wunderschön.

Ich will es vorweg nehmen, bevor der Leser noch weitere „Tauchberichte“ erhofft – es blieb mein einziger wirklicher Tauchgang, denn beim nächsten bekam ich aus bisher für mich ungeklärten Gründen eine Atemblockade, die mich an meine Erfahrung mit Hyperventilation erinnerte (das war mir mal aus einer Stresssituation heraus und nicht unter Wasser passiert, rief aber damals den Notarzt auf den Plan) und Panik unter Wasser erzeugte. Von da an habe ich mich mit dem Schwimmen und Schnorcheln vom Boot aus begnügt, indem ich immer mit meinem Begleiter mit fuhr, wenn er zum Tauchen ging, und ich kann nicht sagen, dass ich deswegen unglücklich war. Nein, ich habe es genossen, auf diese Weise meinen Urlaub zu verbringen und was das Tauchen betrifft, so werde ich bestimmt nicht wieder 5 Jahre warten, bis ich es mal wieder versuche – und das kann ich nur jedem Anfänger raten!

Zum Schluss will ich noch von meiner Begegnung mit Delfinen auf Malta erzählen. Der Leser meiner HP weiß, wie sehr ich diese Tiere verehre und mir wünsche, ihnen einmal in ihrem Elemt ganz nah zu sein – in Israel tauchten sie an mir vorbei, in Münster konnte ich sie nur vom Beckenrand aus berühren – auf Malta schien es möglich zu sein, beides miteinander zu vereinen ... ein Traum, den ich mir unbedingt erfüllen wollte ...

Leider muss ich eingestehen, dass ich ziemlich naiv in meinen Vorstellungen war – wohl auch verklärt durch Berichte aus dem Fernsehen.
Um es kurz zu machen: ich war in einem Delfinarium und konnte auch in einem großen Becken mit 2 Delfinen schwimmen. Allerdings war meine Vorstellung immer so, dass ich dort frei schwimme und die Delfine mit mir spielen, mich umkreisen, sich berühren lassen wenn sie spüren, dass mein Herz für sie schlägt. Die Realität sah so aus, dass ich mich in einer Art Zirkus befand – und ich mag Zirkus mit Tieren gar nicht, die dort Dinge tun, die nicht ihrem Wesen entsprechen. Ja, ich wurde von Delfinen durchs Wasser gezogen und sie legte ihre Köpfe auf meine Schulter (natürlich wartete ein Fotograf am Rand des Beckens, der ja Bilder verkaufen wollte), aber alles, was die Delfine taten, geschah auf Anweisung eines Trainers, also nicht aus ihnen selbst heraus und aus freien Stücken. Es hätte mir gereicht, wenn ich dort im Becken mit ihnen hätte schwimmen oder tauchen können und sie im Vorbeischwimmen mal berührt hätte, weil sie vielleicht freiwillig auf mich zugekommen wären, ohne nur auf Pfiff zu reagieren.
Diesen Traum werde ich also weiter nur träumen ... auch wenn es trotzallem ein Erlebnis war, die Delfine zu „treffen“ ...

Foto: Bananen, wie sie wachsen
Bananen, wie sie wachsen
Natürlich haben wir uns auch von der Insel etwas angesehen, wobei ich nicht die Kulturgüter meine, die es gibt, sondern mehr das Pulsieren in der Nachbarstadt, oder die Ruhe einer Anlage ganz in der Nähe des Hotels, in der ich dann sogar blühende Sträucher und Bananenstauden entdeckte.

Dass das Leben auf Malta erst abends so richtig beginnt, konnten wir vor unserem Hotel am Strand allabendlich erleben. Dann packten die Malteser ihre Tische und Stühle aus, heizten den Grill, holten die Getränke aus der Kühltasche, schalteten das Radio an und verbrachten die Stunden bis spät in die Nacht gemeinsam mit der ganzen Familie – samt Omas, Tanten, Onkels und ihren kleinen Kindern, egal, ob noch im Kinderwagen, oder schon herumtobend.
Südländer halt, und auf ihre Art sehr liebenswert und immer freundlich ...

Anfang Juli ins leider noch immer kühle Deutschland zurückgekehrt kann ich heute sagen, dass Malta doch eine Reise wert war – auch die karge und eintönige Landschaft konnte den Reiz des Mittelmeeres und der südländischen Lebensart nicht wirklich schmälern ...

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