Erfahrungen: Artikel „Berührungen“
Als ich 1999 nach Israel flog, war mein einziger und sehnlichster Wunsch, mit Delfinen tauchen zu gehen. Diesen Wusch konnte ich mir erfüllen (wie man in meinem Bericht über diese Reise nachlesen kann) – nur eins blieb damals offen: ich hatte nicht die Möglichkeit, diese Tiere zu berühren.
Im letzten Novemer sah ich durch einen Zufall im Fernsehen einen Bericht über das Delfinarium in Münster und erfuhr, dass man dort die Möglichkeit hat, ein paar Stunden mit Seelöwen und Delfinen zu verbringen.
Sofort am nächsten Tag telefonierte ich, aber Termine für dieses Jahr gab es erst ab Januar. Mit großen, roten Buchstaben schrieb ich in meinen Kalender, dass ich im Januar nicht vergessen darf, wieder anzurufen. So war es dann auch, und weil diese Begegnungen nur samstags stattfinden, buchte ich gleich einen Termin für meinen Geburtstag – denn das war ein Samstag.
Ich muss vielleicht kurz erwähnen, dass ich es seit 6 Jahren so mache, dass ich
mir an diesem Tag etwas Besonderes gönne, etwas, was ich mir sonst nie leisten würde oder könnte – ein Helikopterflug, ein Delfintattoo ... das gibt mir mehr, als zusammenzusitzen, Vorbereitungsstress zu haben und dafür zu sorgen, dass die Gäste eine schöne Feier haben.
Interessant ist wohl auch die Tatsache, dass ich mit Tieren eigentlich fast gar nicht umgehen kann und jeder Versuch, ein Haustier zu halten, kläglich gescheitert ist – beim Zwergkaninchen angefangen, über Vogel und Hamster – nichts hat funktioniert, ich hatte einfach immer Angst, diese Tiere anzufassen. Deshalb wurde ich schon nach meiner Israel-Reise gefragt, ob ich denn vor den Delfinen keine Angst gehabt hätte. Nicht einen Moment, konnte ich antworten, nicht den Bruchteil einer Sekunde.
Was die Seelöwen betrifft, so war ich anfangs auch skeptisch und voreingenommen. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Ich glaubte nicht, dass ich den Mut hätte, sie zu streicheln und ihnen ganz nah zu sein. Aber es war bei ihnen wie bei den Delfinen – es gab kein Zögern, es gab nicht einmal einen Gedanken daran, als ich ihnen gegenüberstand.
Und dann kamen Nemo und Nando, die Delfine.
Ich kann es nicht beschreiben, man muss diese wundervollen Tiere erlebt haben, um zu spüren, wie sie die Seele berühren! Einfach nur dadurch, dass sie da sind. Seltsam. Man mag dagegenhalten, dass ich vielleicht eine rosarote Brille aufhätte und die Delfine völlig verklärt sehe. Es ist nicht so. Ich habe sehr viel gelesen und Dokumentationen gesehen, in denen auch von der nicht zu leugnenden Aggressivität dieser Tiere die Rede war. Aber mir sind sie nie so begegnet, weder in Israel, noch in Münster. Ja, auch das Argument, die Trainer wären ja dabeigewesen, ist nicht von der Hand zu weisen. Ich glaube aber, dass der entscheidende Grund der ist, mit welcher Einstellung und Erwartung man an dieses Erlebnis herangeht.
Obwohl ich ein sehr problembeladenes Leben hatte und habe, war die Begegnung mit den Delfinen für mich zweimal heilsam. Ja, heilsam für meine Seele. Als ich ihre Haut berührte und in ihre Augen sah, wurde ich frei von allem, was mir eigentlich i m m e r im Kopf herumschwirrt. Das Lächeln der Tümmler leistet seinen eigenen Beitrag dazu, aber das ist es nicht allein. Ich war bereit, mich für Nemo zu öffnen, frei zu machen von aller Last, um ihm unbeschwert begegnen zu können. Für mich ist das sehr viel, wenn man mich kennt und weiß, wie schwer es für mich ist, seelischen „Ballast“ in den Hintergrund zu schieben oder gar abzuwerfen. Ich konnte lachen, mich am Leben erfreuen, froh sein, dort am Beckenrand zu hocken und Nemo zu streicheln. Da war kein Nachdenken daran, dieses Geschehen mit keinem Menschen teilen zu können, was mich sonst immer daran hindert, Erlebnisse zu genießen – da war einfach nur Erleben-Wollen und In-Sich-Aufnehmen.
Für kurze Zeit war es wunderschön, dieses Leben zu haben und sich diesen Wunsch erfüllen zu können.
Das Erlebte in Münster ist auch nicht zu vergleichen mit dem Tauchgang in Israel.
Dort, wo man sich im Element der Delfine befindet und sie erlebt, wie sie an einem vorbeischwimmen und dabei trotz ihrer Größe vertrauenerweckend wirken, fühlt man sich auf eine ganz andere Art mit ihnen verbunden, als wenn man sie so hautnah im wahrsten Sinne des Wortes wie in Münster für sich allein hat, sie berühren, mit ihnen reden und sich von ihner ganz eigenen Ausstrahlung, ihrem Witz und Charme für Momente verzaubern lassen kann.
Ich bin sehr froh, beide Begegnungen erlebt zu haben.
Und ich bedaure es sehr, dass Therapien mit Delfinen, wie sie in Florida und Israel für Kinder angeboten werden, nicht auch in Deutschland und für Erwachsene möglich und bezahlbar sind.
Denn wenn ich von mir ausgehe, dann bin ich davon überzeugt, dass diese Therapien ihre Berechtigung haben.
Mein Zusammentreffen mit Delfinen hat in beiden Fällen sehr positiv auf mein Lebensgefühl gewirkt und mir wenigstens für kurze Zeit auch danach noch meine Depressionen genommen.
Danke den Mitarbeitern des Delfinariums, die diese Möglichkeit auf sehr eindrucksvolle und engagierte Weise schaffen.
Ich wünschte mir, ich könnte viel öfter diese Art der therapeutischen Hilfe in Anspruch nehmen.